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Jücki Stellberg u.Martin Schmitz

Unter  www.josef-kraemer1.magix.net  können Sie Bildershows div.Theaterstücke sehen!

Wenn von Mundart-Theater in Lindlar die Rede ist, gibt es zwei Schwerpunkte: "grosses" Theater auf der Bühne im Kulturzentrum und "Bauerntheater" im Freilichtmuseum. Die Unterschiede liegen nicht nur im Spielort, sondern auch in den Inhalten. Im Kulturzentrum werden Stücke von Carola Lob und Josef Krämer aufgeführt, die in meist heiterer Unterhaltung Einblicke in Lindlars Historie bieten, während die lustigen Einakter auf der Freilichtbühne in originaler Umgebung im Bauernmilieu spielen, mehr im Charakter des Schwankes.

Alle Mundart-Theaterstücke verhelfen dem Zuschauer in unterhaltsamer, humorvoller Weise zur Auffrischung von Kenntnissen der Heimatgeschichte und läßt ihn viele Kulturdenkmäler und manchen Winkel beim Spaziergang durch die Gemeinde in neuem Licht und mit anderen Augen sehen.

Hier eine Aufstellung bisheriger Mundart-Theaterstücke mit Kurzbeschreibung. Von den meisten sind Textbücher erhältlich.

2 Stücke von Carola Lob:

Lindlar 1848              

 Manchmal besinnlich, manchmal heiter bringt Carola Lob das Leben der damaligen Zeit nach wahren Vorbildern auf die Bühne. Auch die politischen Geschehnisse des "Revolutionsjahres" scheinen an Lindlar nicht spurlos vorübergegangen zu sein, jedenfalls wollen die Kinder den Lehrer absetzen, um "Freiheit" zu erlangen.

Lenkler Bessemsbenger                    

Eine traurige Tradition in Lindlar wird hier beleuchtet, denn die Steenkühler mussten sich ein Beibrot verdienen, wenn sie während der Monate mit schlechter Witterung keinen Taglohn bekamen oder schon mit jungen Jahren an Steinlunge erkrankten.

5 Stücke von Josef Krämer:

D´r Kaiser kütt nom Lenkeln (1912)

Ein wahres Ereignis in einer besonderen Zeit: die Eisenbahnlinie zwischen Köln und Lindlar wird eröffnet und das elektrische Licht beginnt seinen Einzug in die Gemeinde zu halten; und nun soll auch noch der Kaiser kommen.     Was sich während der Vorbereitungszeit alles so tut an Aufregungen und kleinen Episoden am Rande, erlebt der Zuschauer hautnah nach und man kann über viele Dinge lachen, die den Leuten damals sicher oft nicht so lustig vorgekommen sein mögen. z.B. ist die Aufregung groß, als von Köln eine telegrafische Anfrage kommt, ob der Johann Krämer und der "schwazze" Krämer identisch seien. Angesichts des Kaiserbesuches kann dahinter nur eine Verschwörung stecken, denn "su en Sauerei hätt et em Lenkeln nümmer jeje´even"! Dass allen Vorbereitungen zum Trotz der Kaiser dann nur durchfährt ohne  aus dem Fenster zu schauen, ist überliefert. 

Ärm an Jroschen- rich an Blaaren (1762)

Dem Stück liegen die Ereignisse der Zeit um 1765 zugrunde, in der ein heftiger Streit zwischen dem Lindlarer Pastor Potthoff und dem Schlossherren von Heiligenhoven, dem Reichsfreiherr von Brück ausgetragen wurde. Er gipfelte in Händeln zwischen den Lindlarer Schützen und den Jägern und Knechten des Freiherren, als der Pastor die Felder des Barons abernten ließ, um so an das Entgelt für das Lehen zu gelangen, welches der ihm vorenthielt. Das Mundart-Theaterstück bringt den Zuschauer in Kontakt mit dem Tagelöhner Schüll und seinem Leben in allen möglichen Situationen, wobei der Humor nicht zu kurz kommt. Bühnenbilder sind der Lindlarer Kirchplatz und das Kaminzimmer auf Schloss Heiligenhoven.

E´epel un Wu´escht, un jett vür d´n Du´escht (1920)

Der erste Weltkrieg ist beendet, die Weimarer Republik bringt eine neue Basis auch in die Gemeindepolitik, doch in Lindlar gibt es noch etwas Besonderes: Lindlar liegt im Besatzungsbereich der Siegermacht England.    In dem Stück wird u.a. Luise Kremer als erster Frau im Gemeinderat ein Denkmal gesetzt, aber der Zuschauer bekommt auch Einblick in die "Schmugglerszene" . Wer hätte gedacht, daß es das jemals in Lindlar gegeben hat? Bühnenbilder sind die Stube auf dem Kremerhof  in der Schwarzenbach und der Biergarten der Gaststätte "Zur alten Linde" in Altenlinde.

Ahl Schü´eren brennen joot  ( 1886)

Im Sülztal ist der Teufel los, denn die Gemeinde will nur 30 Taler dazu tun, wenn eine neue Spritze für die Feuerwehr angeschafft wird."met der ahlen künnefer blohß noch bei falschem Alarm löschen!" Bauer Johann aus Hartegasse, gleichzeitig mit Leib und Seele Feuerwehrhauptmann ist aus dem Häus´chen. Außerdem hat er Probleme mit seinen beiden Töchtern, die beide, so glaubt Johann, die falschen Männer heiraten wollen. Dabei brennt es öfter mal verdächtig bei dem "dicken" Bauer Hermann, den Johann als Schwiegersohn für seine Lieblingstochter Erna ausersehen hat; lauter Schwierigkeiten, die mit Pfiffigkeit und Humor gelöst werden. Der historische Hintergrund stimmt: denn 1833 war die erste Feuerlöschordnung für die Bürgermeisterei Lindlar erlassen worden. Es gab ein sogenanntes Feuer-Corps mit Abteilungen in Lindlar, Breun-Hartegasse und Breidenbach. Es gab zwei kleine und eine große Brandspritze, einhundert Ledereimer und zwei Brandhaken. Der Leutnant Wilhelm Hoffstatt war 1851 Bürgermeister der Gemeinde Lindlar geworden, was er bis 1890 blieb. Er tritt im Stück auf, genau wie der wohlbekannte Dr.Müller, der 1865 Therese Höller aus Schlüsselberg geheiratet hatte und "em Buschkett en Lenkeln" bis 1909 praktizierte. Der Lehrer Johann Schmidt, der 1857 die einklassige Schule in Süng übernahm, steht mit einigen Kindern auf der Bühne- man fühlt sich wahrlich zurück versetzt in die"gute alte Zeit".

Hoch le´eve d´r Schötzenkünningk! (1890)

Zum 150 jährigen Bestehen des Lindlarer Schützenvereins im Jahre 1990 wurde dieses Stück uraufgeführt. In dem Jahr, in dem unsere Geschichte spielt, gab es also seit 50 Jahren eine Schützengesellschaft im Dorf. Eigentlich hatte es bereits seit ca. 1500 eine Schützenbruderschaft gegeben, die 1840 neu gegründet wurde.

Römm un tömm em Felsenthal ( (um 1900)

Denkt jemand an die Steinbrüche in Lindlar, dann hat er den Brungertsberg vor Augen.Tatsächlich jedoch war das Felsenthal bei Kaiserau um die Jahrhundertwende der größte Lieferant von Steinen aus dem ach so "steinreichen" Lindlar. Zwar verlangte der rege Hochbau die Entwicklung der Werksteinbetriebe, jedoch benötigte der Tiefbau immer größere Mengen an Schotter für den Eisenbahnunterbau und Packlage für den Straßenbau. So entstanden neue Steinbrüche im Felsenthal, in Remshagen und Horpe. Hier hatte der Stein gerade die "richtige" Härte für diese Nutzung, wobei die Grauwacke aus dem Brungerts die Voraussetzung für die Bearbeitung als Werkstein für die Steinmetzen bot.  

Die schlechte Wirtschaftslage im damaligen Italien verursachte eine Auswanderungswelle nach Am,erika und in viel europäische Länder. So kamen auch die ersten Hilfsarbeiter mit ihren Familien nach Lindlar ins Felsenthal bei Frielingsdorf. Einige wurden hier seßhaft und ihre Nachfolgen leben bereits in der 2.und 3.Generation bei uns im Bergischen.

Wie groß die Aufregung und die Vorurteile damals bei den Menschen gewesen sein mögen, die meist kaum über die Gemeindegrenze hinauskamen und für die Italien "hinger ji´eten" lag, wo Spaghetti im Garten wächst, wie bei uns "de Struchbunnen".Als der schmucke Fortunato an Maria, der Tochter des Steinhauers Johann freien will, ergebigen sich vielfältige Verwicklungen, die sich natürlich lösen. Lindlar hat auch damals schon seine Integrationskraft bewiesen. "Ech kann et nit bejriefen, dat en Minschen besser oder schleeter sing sall, je nachdem, wo hä jebo´eren ess."- So Johanns Rede,-und dem dürfte kaum etwas hinzu zu fügen sein.

 

Helmut Müller und Berni Sonntag

Weitere Stücke für die Freilichtbühne von Josef Krämer:

Dat Kamesol / D´r kranke Bu´er / Wenn Dollheit Ping wö´r / Schullroht / En Kuckuck un en Verken

Weitere Einzelheiten nächste Site!




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